SELTENE ERKRANKUNGEN
Phenylketonuria
Phenylketonurie (PKU) ist ein seltener, autosomal-rezessiv vererbter Stoffwechseldefekt von Phenylalanin (Phe). PKU wird durch einen Mangel des Enzyms Phenylalaninhydroxylase (PAH) verursacht, die Phenylalanin in Tyrosin umwandelt. Ein PAH-Mangel führt zur Anreicherung von Phe im Blut und Gehirn.
Symptomatik
Unbehandelt führen erhöhte Phe-Konzentrationen im Blut und Gehirn zu schwerer, irreversibler geistiger Behinderung, Mikrozephalie, Epilepsie, motorischen Defiziten, ekzematösen Hautausschlägen, Entwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und psychiatrischen Symptomen. Wenn eine PKU beim Neugeborenen-Screening frühzeitig erkannt und die Behandlung kurz nach der Geburt begonnen wird, kann eine mentale Retardierung verhindert werden: Die Patienten entwickeln allgemeine Fähigkeiten, die unter den breiten Normbereich fallen, erreichen die erwarteten Bildungsstandards und können im Erwachsenenalter ein unabhängiges Leben führen.
Inzidenz in Europa
1 von 10.000 Neugeborenen
Behandlung
Da hohe Phe-Blutkonzentrationen eng mit neurokognitiven Folgen verbunden sind, zielen die bestehenden Behandlungen auf eine Senkung der Phe-Blutkonzentrationen ab. Die Behandlungen schließen eine streng kontrollierte Aufnahme von Phenylalanin (Phe) über die Ernährung in Kombination mit Phe-freien L-Aminosäuren-Präparaten ein sowie eine medikamentöse Therapie, wie z. B. Sapropterindihydrochlorid, das zur Wiederherstellung des Phe-Metabolismus beiträgt.
Die Diät von PKU-Patienten erfordert eine strenge Reduktion oder sogar Elimination von Nahrungsmitteln mit hohem Phenylalanin-Gehalt wie Fleisch, Fisch, Nüsse, Hülsenfrüchte, Käse und andere Milchprodukte.
Stärkehaltige Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Brot, Nudeln und Mais sind zu überwachen. Säuglinge können weiterhin gestillt werden, um die vielfältigen Vorzüge der Muttermilch zu nutzen; eventuell ist aber eine Beschränkung der Menge notwendig, in diesem Fall müssen fehlende Nährstoffe ergänzend zugeführt werden. Viele diätetische Nahrungsmittel und diätetische alkoholfreie Getränke, die den Süßstoff Aspartame enthalten, müssen ebenfalls vermieden werden. Heute empfehlen die meisten Ärzte, dass PKU-Patienten ihre Phe-Spiegel ein Leben lang überwachen müssen.
In den Anfangsjahren der PKU-Therapie haben Mütter und Gesundheitsfachkräfte sich oft für das Abstillen entschieden, nachdem beim Baby eine PKU diagnostiziert worden ist. Dies galt damals als die einzig effektive Weise, die Nahrungsaufnahme der Säuglinge zu überwachen und nur die Aufnahme einer genau titrierten und abgemessenen Phe-Menge zu erlauben. Heute wird das Stillen empfohlen und gehört zur üblichen Praxis bei der Versorgung von PKU-Patienten. So wurde auch in einer klinischen Studie nachgewiesen, dass die Gewichtszunahme und die Phe-Serumspiegel im ersten Lebensjahr bei gestillten PKU-Säuglingen günstiger ausfielen als bei nicht gestillten PKU-Säuglingen.
Kose E et al. J Pediatr Nurs. 2018
Van Wegberg AMJ et al. Orphanet J Rare Dis. 2017












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